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Okt. 042026
 

Kerscheplotzer (Pfälzischer Kirschen-Brotauflauf) 🇩🇪

Zutaten

  • 8–10 altbackene Brötchen (Weißbrot)
  • ½ l Milch
  • 4 Eier
  • 125 g Butter
  • 4 EL Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Messerspitze gemahlener Zimt
  • 500 g Sauerkirschen mit Kern
  • 100 g Mandeln oder Walnüsse
  • Butter (für die Form)

Zubereitung

  1. Brot einweichen
    Das geschnittene Weißbrot mit der heißen Milch übergießen und ziehen lassen.
  2. Butter-Ei-Masse rühren
    Die Eigelbe mit der angewärmten Butter und dem Zucker schaumig rühren.
    Dazu kommen die Gewürze (Vanillezucker, Zimt) und das eingeweichte Weißbrot, dann die Kirschen, die grob gehackten Mandeln oder Walnüsse und zuletzt der steif geschlagene Eierschnee (vorsichtig unterheben!).
  3. Backen
    Eine Auflaufform mit Butter ausstreichen und die lockere Masse hineinfüllen.
    Den Kuchen bei 190 °C backen – bei ausreichendem Vorheizen genügen 30–40 Minuten.
    Sollte die Oberfläche zu braun werden, muss sie abgedeckt werden.

Serviervorschlag:
Lauwarm mit Vanillesauce, kalter Milch oder Sahne – der Pfälzer Klassiker als süßes Hauptgericht (Dinersuppe… nein: “Süßes Hauptessen”, wie es in der Pfalz Tradition ist!).


Hintergrundwissen und Geschichte

Der “Plotzer”: Pfälzer Wort für einen ganzen Kuchen-Typ

  • “Kerscheplotzer” (pfälzisch: Kersche = Kirschen, Plotzer = “Plumper Kuchen/Spießer”) gehört zur Familie der pfälzischen Auflauf- und Restekuchen:
    • Der Name kommt von “plotzen” – im Pfälzer Sprachgebrauch: etwas plumpes, Klumpiges Backen – die Masse “plotzt” in die Form
    • Verwandte Namen in der Region: “Kartoffelplotzer” (Kartoffelauflauf-Kuchen) und ähnliche “Plotzer”-Gerichte – der Plotzer ist eine eigene pfälzische Gattung
  • Der Kerscheplotzer ist ein klassisches Süßes Hauptgericht – in der Pfalz (wie in ganz Süddeutschland) war die Tradition der “süßen Hauptspeise” weit verbreitet: Dampfnudeln, Kerscheplotzer, Scheiterhaufen – Mehlspeisen und Aufläufe als vollwertiges Essen, nicht als Nachspeise!

Die Familie der “Arme-Ritter”-Aufläufe

  • Der Kerscheplotzer gehört zur großen europäischen Familie der Brotaufläufe – überall dasselbe Prinzip (altbackenes Brot + Milch + Eier + Zusätze):
    RegionNameBesonderheit
    PfalzKerscheplotzerMit Sauerkirschen und Nüssen
    Bayern/ÖsterreichScheiterhaufenMit Äpfeln, in Schichten
    FrankreichPain perduIn Scheiben gebraten
    EnglandBread and butter puddingGeschichtet, mit Rosinen
    ItalienZuppa inglese-VerwandteBrot in Alkermes getränkt
  • Alle sind Resteküche: Altes Brot wurde durch Einweichen und Backen zu einem feinen Gericht “veredelt” – nichts wurde weggeworfen.

Sauerkirschen mit Kern: Die Pfälzer Frucht

  • Die Pfalz ist das größte deutsche Sauerkirschen-Anbaugebiet – die “Schattenmorelle” wächst in den饭… in den Obstgärten rund um die Deutsche Weinstrße:
    • Sauerkirschen haben die klassische Säure, die gegen die Süße des Zuckers spielt – der Kerscheplotzer ist deshalb kein “süßer Klebekuchen”, sondern frisch-ausgewogen
    • “Mit Kern” gekocht ist die traditionelle Methode: Der Kern gibt beim Backen Bittermandel-Aroma (Amygdalin in der Kirschgrube!) ab – derselbe Effekt wie beim berühmten Schwarzwalder Kirschtorte-Pfund: geschlagenes Kirschwasser oder zerstoßene Kerne
  • Wer es edler will: einen Schuss Kirschwasser in die Masse – die Pfalz brennt selbst Kirsch (und sonst Zwetschgen und Mirabellen).

Eischnee: Die Leichtigkeit des Plotzers

  • Der steif geschlagene Eierschnee, der zuletzt untergehoben wird, ist das Qualitätsmerkmal:
    • Er macht den Auflauf luftig-locker statt schwer-klossig – der Plotzer “geht auf” wie ein Soufflé
    • Deshalb auch die Vorsicht: vorsichtig unterheben, nicht kräftig rühren – die Luftblasen müssen erhalten bleiben
  • Das ist dieselbe Technik wie beim Auflauf nach Müllerin Art oder dem klassischen Grießauflauf: Eiweiß getrennt verarbeitet.

Mandeln oder Walnüsse: Die zwei Möglichkeiten

  • Die Vorlage lässt die Wahl: Mandeln oder Walnüsse:
    • Mandeln: milder, “bürgerlich”, harmonieren mit Zimt und Kirschen (klassisch!)
    • Walnüsse: herber, herbstlicher – in der Pfalz weit verbreitet (die Walnussbäume der Weinberge!) und kräftiger im Aroma
  • Beide geben Biss und Fett in die weiche Brot-Kirsch-Masse.

Bürgerliche Süßhauptgericht-Kultur

  • Der Kerscheplotzer zeigt die vollendete “Süßspeise als Mahlzeit”:
    • Brot (Sättigung), Eier (Eiweiß), Milch (Kalzium), Butter (Energie), Kirschen (Vitamine), Nüsse (Fett/Eiweiß) – ein vollwertiges Essen ohne Fleisch
    • Historisch oft an Fastentagen oder als sommerliches Kirschen-Essen serviert, wenn die Ernte anfiel
    • Die Kinder… genau wie bei den Bauchstecherle: Resteküche schmeckt Kindern besonders – süß, weich, mit Kirschen!

Tipps für den perfekten Kerscheplotzer

  1. Wirklich altbackene Brötchen: 1–2 Tage altes Weißbrot ist ideal – es saugt die Milch auf, ohne zu zerfallen. Frisches Brot wird breiig!
  2. Brot gut ausdrücken (leicht):
    Wenn nach dem Einweichen viel Milch übrig bleibt, das Brot leicht ausdrücken – sonst wird der Plotzer wässrig.
  3. Kirschen abtropfen:
    Kirschen aus dem Glas abtropfen lassen (Saft auffangen – für Sauce oder zum Trinken!). Tiefkühl-Kirschen auftauen und abtropfen.
  4. Eischnee richtig unterheben:
    Erst ein Drittel des Eischnees unterrühren (lockert die Masse), dann den Rest vorsichtig unterheben – mit Spatel in Schneebewegung.
  5. Form großzügig buttern:
    Butter auch den Rand einstreichen – der Plotzer geht auf, und die Kruste am Rand ist die Leckerei.
  6. Abdecken rechtzeitig:
    Nach ca. 25 Minuten prüfen: Wird die Oberfläche zu dunkel, mit Alufolie oder Backpapier abdecken – innen gart er weiter.
  7. Stäbchenprobe:
    Der Plotzer ist fertig, wenn das Stäbchen sauber herauskommt – innen darf er noch leicht feucht-saftig sein (Eischnee-Textur!).

Varianten

  • Mit Kirschwasser: 1–2 EL Kirschwasser in die Masse – die Pfälzer Erwachsenen-Variante (verstärkt das Kern-Aroma).
  • Mit Apfelscheiben (Scheiterhaufen-Art):
    Statt Kirschen: Apfelscheiben mit Zimt – der bayerisch-österreichische Scheiterhaufen.
  • Mit Zwieback statt Brötchen: Zwieback oder Toastbrot statt Brötchen – die gleichmäßige Vorratsvariante.
  • Mit Grieß-Zugabe: 2 EL Grieß in die Masse – bindet zusätzlich, macht den Plotzer schnittfester.
  • Mit Streuseln obenauf: Butter-Zucker-Mehl-Streusel vor dem Backen – die süße Krusten-Variante.
  • Mit Vanillesauce (klassisch):
    Die warme Vanillesauce ist die klassische Begleitung – der Plotzer saugt sie auf.

Dazu passt:

  • Vanillesauce (der Klassiker!)
  • Kalte Milch (das Kinder-Essen) oder geschlagene Sahne
  • Ein Glas Kirschsaft vom Abtropfen
  • Aus der Region: ein riesenglas Pfälzer Kirschwasser oder ein süßer Riesling/Weißherbst als Digestif

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