Stephaniebraten (Gefüllter Faschiertenbraten) 🇦🇹
Zutaten
Für den Braten:
- 1½ Semmeln (Brötchen)
- 50 g Zwiebeln, fein geschnitten
- 3 EL Öl
- 2 Knoblauchzehen, gepresst
- 600 g gemischtes Faschiertes (Rind und Schwein)
- 1 Ei
- Salz
- Pfeffer
- Reichlich getrockneter, verriebener Majoran
- 1 EL gehackte Petersilie
- 1 Schweinsnetz (Caul-Fett)
- Öl für die Bratenpfanne
Für die Fülle:
- 4–5 Eier, hart gekocht
- ca. 6 Essiggurken
Für den Saft:
- ½ KL glattes Mehl
- 0,4 l brauner Rindsfond oder Suppe (alternativ Wasser)
Zubereitung
- Semmeln vorbereiten
Die Semmeln in Wasser einweichen, gut ausdrücken und mixen oder durch ein Sieb passieren. - Zwiebeln anrösten
Die Zwiebeln in heißem Öl hell anrösten, den ** gepressten Knoblauch** beigeben und alles erkalten lassen. - Faschierte-Masse anrühren
Die Semmelmasse mit Faschiertem, Ei, Salz, Pfeffer, Majoran und Petersilie gut vermischen. - Schweinsnetz einweichen
Das Schweinsnetz in kaltem Wasser einweichen. - Braten formen und füllen
Das Faschierte weckenförmig (wie ein Brotlaib) formen und der Länge nach mit der Handkante eine breite Vertiefung einkerben.
Die hart gekochten Eier schälen und an den Enden abkappen. Die Eier und die Essiggurken der Länge nach in die Vertiefung einschichten.
Die Öffnung mit Faschiertem verschließen und mit befeuchteten Handflächen glatt verstreichen. - Mit Schweinsnetz umhüllen
Das Schweinsnetz aus dem Wasser heben, abspülen, ausdrücken und mit Küchenkrepp abtrocknen.
Auf der Arbeitsfläche ausbreiten, den Braten darauflegen und mit dem Netz umhüllen. - Braten backen
Den Braten in eine mit Öl ausgestrichene Bratenpfanne legen.
Im auf 200 °C vorgeheizten Backrohr ca. 40 Minuten braten, dabei immer wieder mit dem austretenden Fett begießen. - Saft (Sauce) zubereiten
Den fertigen Braten aus der Pfanne heben und einige Minuten rasten lassen.
Das überschüssige Fett abgießen, den Bratenrückstand mit Mehl stauben und kurz rösten.
Mit Suppe/Fond (oder Wasser) aufgießen und reduzierend einkochen lassen. - Servieren
Den in Scheiben geschnittenen Braten mit dem Saft servieren.
Tipp:
Falls kein Schweinsnetz zur Verfügung steht, kann der Braten auch ohne Netz zubereitet werden: Die Oberfläche mit befeuchteten Handflächen mehrmals gut glatt streichen, damit der Braten an der Oberseite nicht rissig wird.
Hintergrundwissen und Geschichte
Der Stephaniebraten: Ein Kaiser-Klassiker
- Der Stephaniebraten ist ein klassisches Gericht der österreichischen Küche – ein faszierter Braten (Fleischbraten aus gehacktem Fleisch), der mit hartgekochten Eiern und Essiggurken gefüllt ist.
- Die eindrucksvolle Schnittfläche (die bunten Eier- und Gurkenscheiben in der saftigen Fleischmasse) macht ihn zu einem besonderen Festtagsbraten: Jede Scheibe zeigt das dekorative Muster.
Der Name: Kronprinzessin Stephanie
- Der Name des Bratens geht – wie so viele Gerichte des 19. Jahrhunderts – auf eine höfische Widmung zurück:
Kronprinzessin Stephanie von Belgien (1864–1945) war die Gemahlin von Kronprinz Rudolf, dem Thronfolger der Habsburgermonarchie. - Die Blütezeit des Stephaniebratens fällt ins späte 19. Jahrhundert: Es war die Ära, in der die Wiener Küche Gerichte nach Mitgliedern des Kaiserhauses benannte – als Zeichen der Verehrung, aber auch als geschicktes Marketing der damaligen Kochbuchautoren.
- Berühmte Verwandte dieser “Huldigungsküche”:
- Kaiserschmarrn (Kaiser Franz Joseph I.)
- Tafelspitz (Lieblingsgericht des Kaisers)
- Guglhupf/Gugelhupf (ebenfalls mit Kaiserlegende)
- Stephaniebraten (Kronprinzessin Stephanie)
- Kurioses Schicksal: Prinzessin Stephanie wurde durch die Tragödie von Mayerling (1889, Tod Rudolfs) zur Witwe – doch der Braten trug ihren Namen weiter in die bürgerliche Küche.
Faschiertenbraten: Die österreichische Tradition
- Der Stephaniebraten gehört zur Familie der faschierten Braten, die in Österreich eine eigene Gattung bilden:
- Faschiertes Laibchen (Fleischlaibchen/Buletten)
- Fleischkäse/Leberkäse
- Faschierter Braten mit verschiedenen Füllungen
- Der Vorteil des faschierten Bratens: Er lässt sich formbar gestalten, kann mit Füllungen versehen werden und bleibt saftiger als ein klassischer Braten aus einem Stück –ideal für die bürgerliche Sonntagstafel.
Schweinsnetz: Der Geheimtipp der Küche
- Das Schweinsnetz (Caul-Fett, auch “Kranzfat” oder “Netzfett”) ist das durchsichtige, spinngewebeartige Fettgewebe aus der Bauchhöhle des Schweins.
- Es dient als natürliche Verpackung:
- Es schützt den Braten beim Garen
- Es gibt zusätzlich Fett ab und hält das Fleisch saftig
- Es verschließt die Oberfläche – der Braten wird nicht rissig
- Das Schweinsnetz war jahrhundertelang ein Standardprodukt der Fleischhauer und wurde in der Küche hochgeschätzt. Es wird auch für Fleischpasteten, Galantinen und Brasen verwendet.
- Heute ist es etwas in Vergessenheit geraten, bekommt man aber beim Metzger des Vertrauens (bestellen!).
Eier und Essiggurken: Die klassische Fülle
- Die Kombination aus hartgekochten Eiern und Essiggurken ist kein Zufall – sie folgt dem Prinzip “sauer macht saftig”:
- Die Säure der Gurken durchbricht die fetthaltige Fleischmasse
- Die Eier geben Textur, Farbe und einen milden Kontrast
- Die Schnittfläche ist das Aushängeschild: Sie soll regelmäßig und dekorativ aussehen – deshalb werden die Eier an den Enden abgekappt, damit sie exakt passen.
Tipps für den perfekten Stephaniebraten
- Faschiertes richtig mischen:
Gemischtes Faschiertes (Rind/Schwein) hat die ideale Balance aus Geschmack und Saftigkeit – reines Schweinefaschiertes wird zu fett, reines Rindfleisch zu trocken. - Majoran nicht sparen:
Majoran ist das Schlüsselgewürz der österreichischen Faschierten-Küche (siehe auch Fleischstrudel, Leberkäse, Faschierte-Laibchen) – er gibt dem Braten sein typisches Aroma. Der Majoran sollte verrieben werden, um die Aromen zu entfalten. - Fülle gut trocknen:
Die Essiggurken gut abtropfen lassen, sonst leiert die Fleischmasse auf und der Braten platzt. - Ruhezeit einhalten:
Nach dem Braten einige Minuten rasten lassen – so verteilt sich der Saft im Fleisch und der Braten zerfällt beim Schneiden nicht. - Saft nicht zu dünn:
Der Saft sollte durch das Mehl in der Pfanne leicht gebunden sein – nicht soupig, sondern leicht bindend am Gaumen.
Moderne Varianten
- Mit Champignons:
Die Fülle aus Eiern und Gurken durch gedünstete Champignons mit Zwiebeln ersetzen. - Mit Spinat und Ei: Spinat (aufgetaut, ausgedrückt, gewürzt) mit den Eiern kombinieren – die farbintensive Variante.
- Mit Pflaumenmus:* CHr:aso kl
Süß-pikante Variante: Ganze entsteinte Pflaumen oder Pflaumenmus in die Fülle einbetten – herbstlich-festlich. - Mit Prosciutto:
Statt Schweinsnetz den Braten mit Prosciutto/Rohschinken umwickeln – für die mediterrane Note. - Als Gemüse-Stephaniebraten:
Ein rein pflanzlicher Faschierten-Braten (z. B. aus Linsen oder Sojafaschiertem) mit der gleichen Ei-Gurken-Fülle. - Ohne Netz zubereiten:
Wie im Tipp beschrieben: Oberfläche glatt streichen und mit einer befeuchteten Alufolie während des Bratens abdecken, dann zur Kruste bräunen
